15.02.2006
Heftige Regenfälle überfluten Flüchtlingslager in Algerien



Zehntausende Menschen benötigen dringend Hilfe, nachdem sintflutartige Regenfälle ihre Flüchtlingslager im Südwesten Algeriens überflutet haben. Wie das Flüchtlingskommissariat der Vereinten Nationen (UNHCR) und Offizielle in den saharischen Camps am Dienstag erklärten, hätten die Fluten viele der Lehmhäuser zerstört, in denen etwa 158000 Menschen seit ihrer Flucht aus dem umstrittenen Gebiet "West-Sahara" lebten.
Gegenüber Reuters erklärte ein Sprecher der west-saharischen Befreiungsbewegung Polisario in Algier: "Heftige Regenfälle haben in den vergangenen Tagen etwa 50% der Notunterkünfte unbewohnbar gemacht." Nach Angaben der UNHCR wurden ungefähr 50000 Menschen obdachlos. Die Organisation bereitet derzeit Hilfslieferungen in die Flüchtlingslager vor. "Eine Luftbrücke wird leichtgewichtige Zelte, Decken, Wasserkanister, Matratzen und Plastikplanen aus unserem regionalen Lager in Jordanien liefern.", heißt es in einer Presseerklärung.
Der sahrawische Rote Halbmond erklärte, die Situation verschlechtere sich zusehends. Er rief zu Spenden auf und forderte internationale Hilfsorganisationen auf, ihre Bemühungen angesichts schwindender Nahrungsmittelreserven zu verstärken. "Wir äußern diesen Notruf, um tausenden Frauen, Kindern und älteren Menschen zu helfen. Wir rufen Spender auf, so schnell wie möglich zu intervenieren, um Schulen und Krankenhäuser wieder aufbauen zu können."
Der Konflikt um die West-Sahara entzündete sich nach ihrer Annektion durch Marokko nach dem Abzug der ehemaligen Kolonialmacht Spanien im Jahr 1975. Die Polisario, die hauptsächlich von Algerien finanziert und unterstützt wird, hatte ein 16-jährigen Guerillakrieg gegen die marokkanische Besatzungsmacht gefochten. 1991 kam durch UN-Vermittlung ein Friedensvertrag zu Stande, in dem dem sahrawischen Volk eine Volksabstimmung über seine Selbstbestimmung zugestanden wird. Marokko hat dieses Votum über eine Unabhängigkeit bislang stets abgelehnt auch wenn im September 2005 erstmals ein marokkanischer Regierungsvertreter eine Volksabstimmung in Aussicht gestellt hatte. ( alsharq berichtete )