23.12.2006
Virtuelles Trauern für iranische Juden

Seit der Gründung des Staates Israel und verstärkt seit der Islamischen Revolution haben zehntausende iranische Juden ihre Heimat verlassen. Die Gräber ihrer Vorfahren mussten sie zurücklassen, ein Besuch heute ist teuer und nur mit großem bürokratischen Aufwand möglich.

Eine Internetseite bietet den Angehörigen dennoch die Möglichkeit die Gräber des größten jüdischen Friedhofs im Iran zumindest virtuell zu besuchen. Auf der Seite Beheshtieh hat der in Los Angeles lebende Shahram Avraham Farzan Fotos von tausenden Gräbern des Teheraner Friedhofs Beheshtieh veröffentlicht. Farzan nahm die Fotos vor drei Jahren während eines Besuchs in Irans Hauptstadt auf. Etwa 70% der Gräbstätten auf dem Friedhof sind als Bilder im Internet abrufbar.

Die Fotos sind nach den Namen der Toten alphabetisch geordnet und bieten den in aller Welt verstreuten Nachfahren der Teheraner Juden die Möglichkeit per Mausklick das Grab der Ahnen zu besuchen. Viele Juden scheuen sich angesichts des offen zur Schau gestellten Antisemitismus des iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinejad vor einem Besuch im Iran. Zahlreiche Internetbesucher berichten davon, dass sie durch die Arbeit des 51-jährigen Farzan überhaupt erstmals das Grab des Vaters oder der Mutter gefunden haben. Farzan hofft nun auf finanzielle Unterstützung, die es ihm ermöglicht erneut in den Iran zu reisen und auch die Bilder von jüdischen Friedhöfen in anderen iranischen Städten online zu stellen.

Bis zur Gründung des Staates Israel war der Iran das Zentrum des Judentums im Nahen und Mittleren Osten. Ende der 1940 lebten etwa 150000 Juden in Persien. Mehr als 85% von ihnen wanderten seither aus, oft nach Israel oder in die USA. Allein in Kalifornien leben heute zirka 160000 iranische Juden und ihre Nachfahren. Zum Zeitpunkt der Islamischen Revolution lbeten noch knapp 80000 Juden im Iran heute, sind es kaum mehr als 30000, die jedoch nach eigener Darstellung ihren Glauben frei praktizieren können.